Das:




ist Chilla. Sie war mein allererstes Chin. Für manch einen Züchter mag sie lediglich ein einfaches Standard mit unperfektem Körperbau, qualitativ minderwertigem Fell (z.B. einer unklaren Abgrenzung der Wamme, ungleichmäßigem Fellwuchs, ungleichmäßiger Grannenwuchs..), nicht groß/kräftig genug...sein. Doch für mich ist sie einfach nur: Meine Chilla. Chilla hat mit mir schon einiges durch. Als Anfänger hab ich so manchen Fehler gemacht. Als ich sie das erste Mal sah, hab ich zeitgleich mit dem Satz: "Oh, ist die aber niedlich" den Finger in den Käfig gehalten..und auch promt die Rechnung dafür erhalten: Zwei kleine Druckstellen in meinem Zeigefinger- von ihren Zähnen *lach*. Der ein oder andere wird sich jetzt vielleicht fragen, ob sie bissig war. Nun, damals dachte ich es, doch das entspricht nach meinem heutigem Wissen nicht den Tatsachen. Chinchillas sind von Natur aus sehr, sehr neugierig und (auf deutsch gesagt) verfressen und da ich ihr meinen Finger ja regelrecht "angeboten" habe..
Ich wollte sie damals auf jeden Fall haben. So ein "Biss" (es war zwar nur eine Druckstelle, doch im Schockzustand war es für mich ein Biss) konnte mich nicht abhalten.
Als wir (Chilla, ihr Bruder (er wurde Chin getauft) und ich) Zuhause ankamen -ich war stolz wie Oskar-, hab ich die beiden zusammen in ihr neues Zuhause gesetzt, einen Hasenkäfig. Dann kamen die ersten Fragen auf: Was essen Chinchillas eigentlich? Was kann man mit ihnen machen? Kann man mit ihnen auch an der Leine spazieren gehen wie mit manch anderen Nagern?.. Welche Fragen allerdings gar nicht auftauchten: Können die Beiden Nachwuchs bekommen?
Und wenn ja, ist das dann nicht Inzucht?

Da ich nun erstmal dasaß mit all den Fragen, hab ich mich kurzerhand aufgemacht zur nächsten Zoohandlung, bin die Regale ein ums andere Mal abgelaufen und suchte vergebens eine Futtertüte, auf der ein Chinchilla abgebildet war. Also nahm ich einfach eine Tüte "für alle Nager"und was man sonst noch so braucht (eine Kleintiertränke, Einstreu, Wiesenheu..). Außerdem kaufte ich mir gleich noch ein Buch über diese possierlichen Tiere. Dieses las ich auch gleich Zuhause durch, zwei mal hintereinander. In dem Buch standen für mich als Grünschnabel richtig gute Tipps drin. Unter anderem, dass Chinchillas nachtaktive Tiere sind, die Tagsüber (logischerweise) viel Ruhe brauchen. Sinngemäß stand dort drin: Schließen Sie die Augen und stellen sie sich vor, sie befinden sich auf einer Lichtung. Es herrscht um Sie herum vollkommene Stille. Der Wind weht leise und singt sein Lied..In solch einer Atmosphäre (nicht Umgebung) leben Chinchillas normalerweise. Ich war so fasziniert, dass ich von Minute an nur noch durch das Zimmer schlich.
Daraus erübrigt sich auch die Frage, ob man mit Chinchillas "Gassi" gehen kann: Nein, denn draußen gibt es unzählig viele Geräusche, die die Tiere höchstwahrscheinlich in einen Schockzustand versetzen würden. Zudem kommen die vielen, vielen Bewegungen, die eine lebendige Umgebung so mit sich bringt. All dem sind wir uns oft gar nicht bewußt, da dies für uns "normal" ist.

Nach zwei,drei Tagen stellte sich dann der normale Alltag im Hause ein und ich vergaß ab und zu, dass ich ja nun nicht mehr nur für mich und meine Katzen(welche sich melden, wenn sie Hunger haben) die Verantwortung trug, sondern auch noch für zwei Tiere, die sich vom Käfig aus nicht melden/selbst versorgen können. Also schrieb ich es mir ins Handy, sodass ich sicher gehen konnte, dass die Kleinen auch nicht vergessen werden können.
In dem Buch stand auch drin, dass die Chinchillas Sand brauchen, um sich zu waschen. Für mich sahen die Tiere sauber aus und somit ließ ich das erstmal. Und als ich dann irgendwann mal welchen holte, nahm ich den einfachen Vogelsand. Mir war ganz und gar nicht bewußt, dass dieser Vogelsand für Chinchillas viel zu grobkörnig ist und sich in diesem Sand Muschelstückchen befinden, welche auch das Fell und deren Strucktur beschädigen/kaputt machen. Als ich dann, nur mal so, den richtigen Chinchillasand ausprobierte, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus: Er war so leicht und es bildeten sich sogar Klumpen, wenn ein Chin hineinurinierte. Der Sand flog auch richtig durch die Luft, wenn die Beiden sich nach herzenslust wälzten. Seitdem hab ich nie wieder Vogelsand geholt.

Das Allgemeinfutter-für-Nager schaffte ich auch recht schnell  ab und stieg auf Pellets um, da dieses Allgemeinfutter nicht allein auf Chinchillas und deren Bedürfnisse eingestellt ist, wie man sich wahrscheinlich denken kann. Chinchillapellets bestehen zu einem hohen Anteil aus Ballaststoffen (Rohfasern, Rohproteinen..), jedoch ist diese Nahrung sehr Fettarm. "Normales" Allgemeinfutter besteht zu ca. einem Drittel aus "Leckerlies", welche eigentlich nur seltener gegeben werden dürfen, da diese bei regelmäßiger Einnahme der Chins auf Dauer den sensiblen Verdauungshaushalt stören -und somit Verstopfungen, Durchfall oder auch andere Erkrankungen hervor rufen können.

Als mir nach und nach klar wurde, was ich der kleinen Süßen angetan hatte, hatte ich stets das Bedürfnis, alles wieder gut zu machen. Sie bekam u.a. eine 1,80m hohe Voliere, extra viel Auslauf (mal in unserem 10 Meter langen Flur, mal in meinem Arbeitszimmer oder in ihrem Zimmer mit einem besonderen Erlebnisparcours) und gaaanz viel Aufmerksamkeit, wodurch das Band zwischen uns stärker wurde. Sie genießt den besonderen Status noch heute und das wird sich bestimmt auch nicht ändern.


Fazit:

Manch einer fragt sich nun vielleicht, warum ich all dies erzähle
und so öffentlich meine anfänglichen Verfehlungen und Unzulänglichkeiten preisgebe. Nun, Offenheit und Ehrlichkeit sind mir sehr wichtig. Ich möchte nicht so tun, als wäre immer alles richtig gewesen. Jedoch möchte ich auch gleichzeitig zeigen, dass man sich stets weiter entwickeln kann und sich stets bemühen sollte, neues Wissen zu erlangen und dieses in die Praxis umzusetzen.
Wie heißt es so schön:
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
;@)


ENDE



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